FaisalAlHasan@Werkstatt22

Faisal Al Hasan lebt und arbeitet seit 2016 in Deutschland. Der syrische Künstler steht in der bildhauerischen und malerischen Tradition seines Landes und seiner Region. Seine Werke verbinden assyrische und mesopotamische Elemente mit der modernen westlichen Kunst (Kubismus, Surrealismus).

Seit über 35 Jahren arbeitete Faisal als Bildhauer sehr erfolgreich in Syrien und war dort hoch angesehen. So unterrichtete er als Dozent an wichtigen Ausbildungsstätten und stellte regelmäßig in internationalen Symposien und Kunstforen des syrischen Künstlerverbandes aus. Statuen sind sowohl in Syrien als auch im Libanon zu entdecken. Für die Regionalregierung restaurierte er die Altstadt von Damaskus, später bekannt als Teil des "UNESCO-Kulturerbes". Zudem stattete er historische Filmserien mit unterschiedlichen Requisiten (von Waffen über Raumausstattungen zu ganzen Filmsets) aus. 

Auszüge aus der Broschüre: Vorstellung eines syrischen Künstlers in Deutschland, Die Sprache seiner Bilder, Seite 6

Der Stein hat Gefühle

Gespräch mit dem Bildhauer Faisal Al Hasan

Der syrische Bildhauer und Maler Faisal Al Hasan lebt seit 2016 in Deutschland. Er ist Mitglied des atelier 22 e.V. und hat im März 2020 einige Wochen in der Werkstatt des Vereins gearbeitet und dabei auch einige Figuren gezeigt. Anlässlich der Präsentation seiner Skulpturen hat Jürgen Henke vom Vorstand des atelier 22 ein kurzes Gespräch mit Faisal geführt.

 

Jürgen Henke:

Warum hast Du gerade diese Figur erschaffen? Was verbindest Du mit diesem Motiv des Frauenkopfes?

 

Faisal Al Hasan:
Das ist das Gesicht einer meditierenden Frau. Ich arbeite mit dem Material und das zeigt, dass auch Steine Gefühle haben. Diese Figur ist aus Gas-Beton, also nicht aus einem natürlichen Stein. Obwohl dies ein künstlicher Stein ist, ist das für mich kein totes Material. Beim Behauen des Materials spreche ich mit dem Stein, weil Steine auch Gefühle haben. Wenn ich mit Natursteinen arbeite, ist dies noch deutlicher.

 

Jürgen Henke:

Du hast in Syrien historische Skulpturen hergestellt,  zum Teil große Monumente in verschiedenen Städten.  Aber du hast auch Figuren und Dekorationen für historische Filme gestaltet. Warum hast du diese Ausdrucksform für das Gesicht gewählt?

 

Faisal Al Hasan:

Diese Figur ist ein asiatisches Gesicht. Es ist nicht ein indisches oder chinesisches Gesicht und es lässt sich auch nicht einer anderen Volksgruppe zuordnen. Vorrangig ist, dass es das Gesicht eines Menschen ist.

 

Jürgen Henke:

Für Dich drückt der Stein Gefühle aus. Die menschliche Ausdrucksform steht im Vordergrund.

 

Faisal Al Hasan:

Ich habe in meiner früheren Schaffenszeit häufig für Filme mit geschichtlichen Themen gearbeitet und dabei viel über die asiatische Mythologie gelernt. Oft zeigen meine Figuren Götter oder Menschen. In den verfilmten Mythen sind die Menschen nach den Vorstellungen der Götter geschaffen. Die Götter haben die Menschen nach ihrem Ebenbild geformt. Diese haben Anspruch auf Liebe und Respekt vor Gefühlen. In meiner Arbeit tritt das Material, der Stein, in den Hintergrund. Die Skulpturen spiegeln wider, dass die sie darstellenden Menschen von Gott erschaffen wurden.

 

Jürgen Henke:

Danke für Deine Erklärungen.

Zeitliche Einordnung der Ausstellung

Vom 07.03.-21.02.2020 arbeitete Faisal Al Hasan in der Werkstatt des atelier 22 e.V. Zeitweilig zusammen mit anderen nahmen an dem Workshop auch andere Mitglieder des atelier 22 teil. Dabei zeigte er auch frühere Werke von sich und einige seiner neuesten Bilder. Am 12.03. besuchten Schüler der Paul-Klee-Schule gemeinsam mit der Lehrerin Frau Possett Faisal und stellten ihm Fragen zu seinem Schaffen. Am 17.03. gab es das Verbot von Veranstaltungen wegen Corona. Folglich konnte weder der Lange Donnerstag (19.03.) noch die Finissage (21.03.) durchgeführt werden.

Aus der kleinen Broschüre links beziehen sich ein Großteil der Texte, die Sie weiter unten lesen werden. Bei Interesse können Sie diese via Mail beim atelier 22 bestellen. Gegen 2 € Spende (Druckkosten) mit Versandkosten sendet der Verein Ihnen gern eine Ausgabe zu.

An der rechten Wand hängen:

Das Ankündigungsplakat zeigt Ihnen, was an Aktionen geplant war. Dann zeigt der Künstler seine größeren Leinwandbilder. Beide setzen sich thematisch mit dem Krieg auseinander. Im ersten Bild zeigt er den Tod, der die Krieger in Empfang nimmt. Im zweiten Bild thematisiert er, wie ein Mann die Friedenstaube gefangen hält und mit einer Maske seine wahren Absichten verschleiert.

Hinten im Raum können Sie seine vorangeschrittene Skulpturarbeit sehen und einen Entwurf auf Gasbeton betrachten. Beeindruckend, wie aus diesen wirren Linien eine formschöne Skulptur entsteht.  

Einzelne Werke zur Ansicht

Bild öffnet sich beim Anklicken mit weiteren Infos.

Beim Betrachten seiner Werke könnte der Besucher denken, dass Faisal sich an den kubistischen Stilen von Picasso oder Braques anlehnt. Dabei bezieht er seine Werke auf die weit zurück reichenden assyrischen und sumerischen Kunststile seiner Heimatregion. Das diese sich ähneln nimmt der Künstler dabei in Kauf. Faisal schöpft in seinen Bildern und Skulpturen aus dem Kulturschatz der antiken Region Mesopotamiens. Dem stellt Faisal westliche Kunststile wie Kubismus und Surrealismus gegenüber. Die Kunst der Assyrer von 900 vor Christus drückte sich meist in Skulpturen, Reliefs, Obelisken oder Fels-Reliefs aus. Beliebte Themen waren verschiedene glorifizierende Szenen aus dem Leben des Herrschers, so z.B. Kriegsszenen, Löwenjagden oder Ausübungen herrschaftlicher Aufgaben.

Auszüge aus der Broschüre: Vorstellung eines syrischen Künstlers in Deutschland, Die Sprache seiner Bilder, Seite 7 

An der mittleren Wand hängen und liegen:

Hier sehen Sie das Kernstück der Ausstellung. Eine abwechselnde Melange von großen Skulpturen mit großen aber auch kleinen Malereien unterschiedlicher Techniken. 

    Den Beginn macht die sitzende Frau aus Gasbeton, gefolgt von 2 kleinen Werken (Ölpastell und Acryl). In dem Zwischenraum zeigt Faisal 2 Büsten mit einer weiteren sitzenden Gasbeton-Frau. Gekrönt werden diese Werke mit dem Bild "Flüchtlingen an der Grenze": einer erlebten Situation, die Faisal hier eindrucksvoll in Öl verarbeitet hat. Den Abschluss des mittleren Teils bildet eine weiteres Ölbild.

Einzelne Werke zur Ansicht

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Seine Themen beziehen sich auf die gesellschaftlichen Verhältnisse von Krieg und Zerstörung in seinem Heimatland Syrien. Faisals Werke zeigen eine ästhetische Brutalität wie aus den assyrischen Kriegs- und Jagdreliefs. Kriegerische Motive dominieren gegenüber Alltagszenen. Gesellschaftliche / menschliche Beziehungen werden bestenfalls eher rudimentär angelegt. Den Figuren werden häufig identische, maskenähnliche Gesichter aufgesetzt. In der assyrischen Kunst wurden diese Mittel genutzt, um politische Absichten wie das Bewahren des Bestehenden zu verfolgen. Faisals Bilder haben einen anderen politischen Bezug: das Anklagen bestehender Verhältnisse. Seine Werke schaffen ein unterbewusstes Erkennen der Lebensumstände, wie Europäer es in den täglichen Nachrichten gezeigt bekommen haben. Dabei arbeitet Faisal mit Verfremdungen in seiner Kunst, wie sie aus der antiken assyrischen Bildhauerei bekannt sind. Für den aktuellen gesellschaftlichen Bezug verwendet er moderne Effekte westlicher Kunst.

Auszüge aus der Broschüre: Vorstellung eines syrischen Künstlers in Deutschland, Die Sprache seiner Bilder, Seite 8

An der linken Wand hängen und liegen:

Hier starten der Besucher mit der Skulptur "Fisch" aus Gasbeton. Als spannenden Widerspruch zu dem glatten Fisch in der Natur hat Faisal hier die aufgerauhte Oberfläche markant in den Mittelpunkt gestellt. Darauf folgt ein Acrylbild, in dem ein Mensch von einer Menge bedroht wird und versucht, Schutz zu suchen. Gefolgt von einer abstrakten Darstellung einer Taube: nur ihre elegante Form bleibt noch gewahrt. Den Abschluss bildet einen kauernden Mann in Ölpastell.

Einzelne Werke zur Ansicht

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Mit extremer Verfremdung menschlicher Gewalt gibt er einen Hinweis auf den Krieg und die Zerstörung. Die menschlichen Figuren reduziert er auf einfache Formen. Mit seiner Kunst will Faisal die Ursachen von Krieg und Gewalt offen darlegen. Er übt mit seinen Werken Kritik an die herrschenden Systeme in Syrien, anderer Länder der Region und die unterstützenden Mächte aus dem Ausland. In seinen Werken zeigt er dem Betrachter auf, dass europäische Staaten die herrschenden Systeme in Syrien mit hervor gebracht haben und welche gesellschaftliche Verantwortungen europäische Regierungen aktuell gegenüber dem Land haben. Faisal verlangt nur die Auseinandersetzung mit den Bezügen in seiner Kunst und überlässt es dem Betrachter, ob dieser seine Meinung teilt oder nicht. 

Auszüge aus der Broschüre: Vorstellung eines syrischen Künstlers in Deutschland, Die Sprache seiner Bilder, Seite 9

Auf dem Tisch liegen:

Auf dem Tisch finden Sie 8 kleine Skulpturen und 3 Ölpastellwerke.

Die "Taube mit den gebrochenen Flügeln" symbolisiert den verletzten Frieden. Der Kopf wirkt wie ein Totenschädel auf den Betrachter. Von kleinen Marmorfiguren wie "Eisbär" und "Gesicht" geht es über die Specksteinarbeit "Liegende Frau" weiter zu einer Gipsarbeit und findet in den beiden kleinen Gasbetonarbeiten ihren Abschluss.

Die 3 Ölpastellbilder laden ein zur Interpretation. Der Beginn macht die Darstellung eines Hahns, gefolgt von 2 Damen im Gespräch und einer Darstellung von 2 Menschen mit einer angedeuteten Taube im Hintergrund.

Einzelne Werke zur Ansicht

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Faisal thematisiert den Verlust gesellschaftlicher Werte wie Moral, Liebe, Angst und Zivilisation in seinem Land. Diese Werte werden nach seinem Verständnis von nationalen als auch ausländischen Kräften missbraucht. Nach dem "Arabischen Frühling" wandelten sich die Bedeutung diese Begriffe in der arabischen Welt. Seine Figuren, Tiere oder Menschen besitzen extrem verfremdete Körper und Gesichter, daher erläutert Faisal deren Symbolik und ihre Beziehung zueinander. Der Besucher kann durch seine Erläuterungen die Geschichten seiner Werke mit den Kriegsberichten aus Syrien verknüpfen. Der Künstler möchte den Betrachter anregen, zu diesem Konflikt Position zu beziehen. 

Auszüge aus der Broschüre: Vorstellung eines syrischen Künstlers in Deutschland, Faisal spricht über den Inhalt seiner Bilder, Seite 25

An der Fensterwand liegt und hängen:

Hier sind in erster Linie 6 kleine Ölpastell/Acrylbilder zu entdecken.

Der Anfang macht aber nochmal eine Gasbeton-Skulptur "Fliegende Taube".

Gemeinsam haben die Werke ihre menschlichen Figuren, die reduziert und abstrahiert wurden. Sie erzählen Geschichten über Angst, Trost, Schutz aber auch von Maßlosigkeit und Sucht. 

Einzelne Werke zur Ansicht

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Faisal sagt von sich selbst, dass er während der Zeit des Krieges in seinem Land sich keinem anderen Thema in seiner Kunst widmen kann. Er ist sich auch bewusst, dass es für den deutschen / europäischen Betrachter schwer ist, sich dieser Thematik des Konfliktes in Syrien immer wieder zu öffnen. Daher sucht der Künstler das Gespräch mit den Besuchern seiner Ausstellungen, um ihnen dieses Thema näher zu bringen. In diesen Gesprächen erläutert er seine künstlerischen Ausdrucksmittel und stellt den Zusammenhang zwischen den einzelnen Bildelementen her.

Auszüge aus der Broschüre: Vorstellung eines syrischen Künstlers in Deutschland, Faisal spricht über den Inhalt seiner Bilder, Seite 25

Gemeinsames Arbeiten mit Faisal Al Hasan

09.03.-13.03.2020

In diesem Zeitraum hat Faisal Al Hasan 2-3 Teilnehmer in der Arbeit mit Gasbeton / Speckstein begleitet und unterstützt. Zu Beginn hat Faisal die Wünsche der Teilnehmer aufgenommen und Entwürfe auf den Steinen skizziert. In der Arbeit gab der Künstler immer wieder Hinweise (vorführen und aufzeigen), wie das Material bearbeitet werden kann. Dabei war die größte Herausforderung eines Teilnehmers den Mut zur großzügigen, großflächigen Arbeit. Als dieser seine Angst "zu viel weg zu nehmen" verlor, ging es recht zügig in der Arbeit voran. So wird Überstehendes abgesägt oder eingesägt und herausgebrochen. Mit dem Hobel wird die Form gehobelt und mit dem Schleifpapier das Material geschliffen und somit Unebenheiten beseitigt. Ganz zum Schluss wird auch noch gezeigt, wie das Material eingefärbt werden kann und wetterfest gemacht wird.  

Besuch von Schülern der Paul-Klee-Schule

12.03.2020

Frau Possett besuchte mit ihren Schülern Faisal Al Hasan in der Werkstatt 22. Die Schüler waren sehr interessiert und stellten dem Künstler einige Fragen zu seiner künstlerischen Arbeit:

Woher nimmt der Künstler seine Ideen?

Er legt den Schülern dar, dass er erst den Kopf vom Alltag befreie und dann neue Sachen verwirkliche mit einem frischem, unvoreingenommenen Blick.

Was stellt "Flüchtlinge an der Grenze" dar?

Auch der Künstler musste an der Grenze zu Griechenland warten, ob er in Europa eingelassen werde. Dieses Werk zeige auf, wie er selbst diesen Zustand des Wartens erlebt hat.

Wie lange malt der Künstler schon mal?

Seit 40 Jahren arbeitet der Künstler schon, auch in Syrien war er bereits ein bekannter Künstler gewesen.

Welche Vorbilder hat der Künstler?

Pablo Picasso, Slavador Dali, Max Ernst und Henry Matisse sind seine Vorbilder.

Wie hat der Künstler das Malen und Zeichnen gelernt?

Dies hat er im Kunstunterricht gelernt und auch schon weitergegeben.

Wie schafft er, dass seine Ölpastellbilder so schön glänzen?

Dafür sprüht er die Werke mit einem Sprühlack ein, welches dann auch gleich die Pastellkreide fixiert.

Wie lange lebt der Künstler bereits in Deutschland?

Seit 5 Jahren lebt Faisal Al Hasan in Deutschland.

Hat er in Syrien andere Motive gemalt?

In Syrien waren andere Motive verboten gewesen. Er hat für verschiedene historische Filme die Räume, Krieger, Könige und Figuren gestaltet (Kostüme und Requisiten). Insgesamt 8 historische Filme hat er mitgestaltet. Den Film "Saladin" hat er aber erst vor 24 Jahren selbst angeschaut.

Broschüre: Faisal al Hasan - Vorstellung eines syrischen Künstlers in Deutschland

Dr. Jürgen Henke, 1. Vorsitzender des atelier 22 e.V., hat diese Broschüre für Besucher zusammengestellt. Dieses kleine Blattwerk beschreibt Faials künstlerischen Weg in Syrien und nun auch in Deutschland. Desweiteren setzt sich dieses Werk mit der Sprache seiner Bilder auseinander und erlaubt eine Einordnung auch der aktuellen Kunstströmungen in Europa. Bilder von 2017 bis 2019 und Skulpturen werden dargstellt. Faisal spricht auch über den Inhalt bestimmter Bilder von ihm. Im Anschluss wird diese Broschüre abgerundet mit einer Kurzbiographie über sein künstlerisches Schaffen.

Diese Broschüre kann bei uns gegen eine Spende von 2€ für die Druckkosten plus Versandkosten erworben werden. Dazu einfach eine Mail an das atelier 22 e.V. schreiben. Der Verein dankt für Ihre Unterstützung und wünscht Ihnen einen gelungenen Einblick in Faisals künstlerisches Schaffen!